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Wie in jeder anderen deutschen Stadt leben in Freiburg MigrantInnen-Familien
mit ihren Kindern unter uns - und doch außen vor. Dies
ist unsere reale Lebenswelt, doch politisch wird nach wie vor
negiert, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Diese
Schizophrenie mit all ihren Konsequenzen wollen wir aufbrechen,
insbesondere für unsere wichtigste Zielgruppe, die Kinder.
Sie werden immer mehr an den Rand unseres Bildungssystems gedrängt
und enden in partiellem Analphabetismus. Zu deren Eltern gibt
es kaum Kontakt - sie leben relativ isoliert in ihren familiären
Zusammenhängen und sind in Deutsch weitgehend sprachlos.
Diesem Scheitern aller Beteiligten - InländerInnen wie
AusländerInnen - wollen wir etwas entgegensetzen:
Mit unserem Verein - Interkulturelle
Bildung und Soziale Arbeit im Stadtteil
und unserem Konzept - "Sprache ist Leben"
, das wir ein Jahr vor Pisa erarbeitet haben.
Bildung muss mobil werden und
aus den Institutionen hinaus in die Stadtteile gehen. Deutschkurse
im Quartier mit Angeboten der sprachlichen Förderung der
Kleinkinder, Vernetzung aller Akteure im Stadtteil, in Kindergarten
und Grundschule - über den herkömmlichen Rahmen
hinaus. Parallel dazu nutzen wir für unsere Bildungsarbeit
Geschichten aus anderen Kulturen und erarbeiten interkulturelles
Material, inzwischen auch für den Unterricht "Deutsch
als Fremdsprache". Mehrsprachige Erziehung, um doppelte Halbsprachigkeit
zu vermeiden, ist gefordert - Material für den Alltag
liegt dagegen kaum vor. Die Mehrsprachigkeit unserer realen
Lebens- und Arbeitswelt wollten wir deshalb auch "real abbilden
und wiedergeben", mit unserem ersten sieben-sprachigen Bilderbuch
mit Vorlese-CD "Wie der zweite Mond verschwand"
Unser Konzept wird überall hochgelobt, aber in Freiburg
gab es dafür weder Geld noch Unterstützung. Schade.
Inzwischen hat uns das Auswärtige Amt Berlin
einen großen Teil der Druckkosten finanziert. Danke!
"Wie der zweite Mond verschwand" entstand mit MigrantInnen
und dank des ehrenamtlichen Engagements vieler Menschen, denen
interkulturelles Miteinander und verbesserte Bildungschance
von MigrantInnen ein Bedürfnis sind.
Wir wollen
* Sprachvielfalt als Normalität in Deutschland versinnbildlichen
* die vorhandene Sprachvielfalt wertschätzen
* ressourcen- und nicht defizitorientiert arbeiten
* Kinder bei ihren Anders-Fähigkeiten abholen, um ihre
Freude am Deutsch Lernen zu wecken
* eine Brücke schlagen zwischen vorhandenen Sprach-
und Sprechfähigkeiten und dem zu erschließenden
Lernfeld Deutsch
Das Buch mit Vorlese-CD soll
- Vor-Lesefreude in der Herkunftssprache wecken
- das Gehör für die Erfahrung anderer Sprachen
öffnen
- Kindern spielerisch das Herantasten an die deutsche Sprache
ermöglichen
- Kindern und Eltern die Möglichkeit der Kontrolle über
das Verstandene geben
- Professionellen die Möglichkeit geben, über das
Buch mit den Eltern und Kindern in Kontakt zu treten
- Sprachenvielfalt erfahrbar, sicht- und hörbar machen
Im Juli 2003 ist bei uns "Jonas. Ein Kind aus Ghana" erschienen,
ein Streubild-Lesebuch und ergänzende Unterichtsmaterialien
gleichen Titels.
Was macht diese Ganzlektüre zu etwas Besonderem?
Es erscheint zunächst einmal nicht ungewöhnlich,
wenn eine Lektüre die Thematik der Migration oder des
Fremdseins von Kindern in der neuen Heimat Deutschland aufgreift.
Auch Ganzlektüren, die mit Textentlastungen in Form von
Bildern arbeiten sind keine Seltenheit mehr.
Vielmehr ist die Kombination beider Aspekte innerhalb ein
und der selben Lektüre das Besondere an diesem Buch. Diese
Kombination ermöglicht es, Kindern mit Migrationshintergrund
Texte zu präsentieren, die sie einerseits thematisch ansprechen
und damit förderlich für die Entwicklung ihrer Kommunikationsfähigkeit
sind und die andererseits inhaltlich auch dann verständlich
für sie sind, wenn ihnen noch spezifischer Wortschatz
fehlt.
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